Wer als Ingenieur:in der Medizintechnik arbeitet, trägt einen wesentlichen Teil zum medizinischen Fortschritt bei: Ohne diese Berufsgruppe gäbe es keine bildgebenden Diagnoseverfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT), minimalinvasive Chirurgie, künstliche Gelenke, Prothesen oder Hörgeräte. Kurzum: Die Innovationskraft von Medizin-Ingenieurinnen und ‑Ingenieuren rettet und bereichert Menschenleben. Das spiegeln auch die aktuellen Trends der Branche wie zum Beispiel die künstliche Herstellung von Organen und Geweben, die Weiterentwicklung smarter Prothesen, mobiler Exoskelette zu Reha-Zwecken oder moderner 3-D-Bioprintern wider.

 

Menschen werden immer älter und der Bedarf an medizintechnischen Geräten und Verfahren steigt. Die Medizintechnik gehört darum weltweit zu den Wachstumsbranchen, wobei viele deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb eine führende Rolle einnehmen. Die Karrierechancen als Medizin-Ingenieur:in sind demnach ausgezeichnet. In diesem Bereich kümmert man sich nicht nur um die Entwicklung neuer Produkte, sondern auch um deren sinnvolle Einbindung in den Workflow des medizinischen Umfelds. Es ist also wichtig, dass Ingenieur:innen für Medizintechnik in Prozessen denken können und dabei die Anforderungen und Bedürfnisse der Anwender:innen in besonderer Weise berücksichtigen. Wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen sind dabei spannende Herausforderungen.

Wo arbeitet man als Ingenieur:in der Medizintechnik? 

Die Branche der Medizintechnik lässt sich in viele Teilbereiche untergliedern, die von bildgebender Diagnostik (CT, MRT, Ultraschall, Röntgen etc.) und Bionik (technische Umsetzung natürlicher Prozesse) über Gesundheitsinformatik und medizinische Geräte bis zu Orthopädietechnik (etwa Pro- und Orthesen) und Tissue Engineering (Entwicklung künstlicher Organe etc.) reicht.

 

Als Medizin-Ingenieur:in arbeitet man oft bei spezialisierten Herstellern in der medizintechnischen Industrie. Hier sind vor allem mittelständische Unternehmen am Markt tätig, aber auch internationale Konzerne und innovative Start-ups. Weitere typische Arbeitgeber sind beispielsweise Forschungsinstitute und Kliniken.

Aufgaben: Was machen Medizintechnik-Ingenieur:innen? 

Je nachdem, in welchem Arbeitsumfeld die Ingenieur:innen für Medizintechnik eingesetzt werden, variiert auch das Aufgabenspektrum. Zu den Haupttätigkeiten gehören unter anderem

 

die Erforschung, Konzeption und Entwicklung von medizintechnischen Geräten, Systemen und Verfahren zur sicheren Anwendung im klinischen Bereich. Darunter fallen nicht nur die Neuentwicklung und Konstruktion von medizinischen Produkten und Prozessen, sondern auch deren Weiterentwicklung bzw. Optimierung und/oder Anpassung an neue Einsatzgebiete. Dabei arbeiten Ingenieur:innen für Medizintechnik mit Fachkräften aus der Physik, Chemie und Biologie sowie der Industrial IT , Medizin und Pharmazie zusammen. Diese interdisziplinären Teams sorgen dafür, dass ein Produkt den hohen Anforderungen im Klinikalltag gerecht werden kann. Neben der unabdingbaren Funktionalität steht dabei vor allem die Anwendungsfreundlichkeit des Produktes im Mittelpunkt. Dazu werden unter anderem Prototypen entworfen, deren Eignung dann in Experimenten und Studien getestet wird.


das Qualitätsmanagement sowie die Zertifizierung oder Standardisierung von medizintechnischen Produkten und Prozessen: Medizin-Ingenieur:innen sind häufig auch dafür zuständig, die Qualität in Herstellung, Anwendung und Service sicherzustellen. Dazu gehören zudem Kontrollen in der Fertigung, Sicherheits- und Abnahmeprüfungen oder die Betreuung der Inbetriebnahme. Darüber hinaus können Ingenieur:innen der Medizintechnik mit entsprechendem Know-how auch in Prüf-, Überwachungs- und Normungsgremien tätig sein, die sich zum Beispiel mit der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben beschäftigen.


das Informationsmanagement und die Organisation des Geräteeinsatzes und ‑services: Die Erstellung und Pflege von Datenbanken und Informationssystemen gehören ebenfalls oft zu den Aufgaben als Ingenieur:in der Medizintechnik. Sind Sie in medizinischen Einrichtungen beschäftigt, koordinieren Sie zum Beispiel die Beschaffung und den räumlichen und zeitlichen Einsatz von Geräten und optimieren den dortigen Workflow. Sie kümmern sich ggf. auch um Service und Wartung – entweder, indem Sie die Arbeiten selbst übernehmen oder beauftragen.


die Schulung, Beratung und der Vertrieb zu bzw. von medizintechnischen Produkten: Damit die Anwendung der Geräte und Systeme reibungslos vonstattengeht, steht man als Medizin-Ingenieur:in oft zur Schulung des medizinischen Fachpersonals vor Ort zur Verfügung. Auch die technische Dokumentation, die unter anderem der Erstellung von Handbüchern oder der Forschung dient, fällt meist in ihren Aufgabenbereich. Durch ihr fachliches Wissen werden sie auch oft im Vertrieb eingesetzt, indem sie etwa Produkte auf Messen vorstellen oder entscheidungsbefugte Personen in medizinischen Einrichtungen beraten.

Ingenieur:in für Medizintechnik werden: Ausbildung oder Studium? 

Je nach Anforderung der jeweiligen Stelle ist womöglich eine abgeschlossene medizintechnische Aus- oder Weiterbildung ausreichend, um in dieses Berufsfeld einzusteigen. In den meisten Stellenangeboten für Positionen als Medizintechnik-Ingenieur:in ist jedoch ein Studium Voraussetzung, um beim Arbeitgeber tätig zu werden. Einige typische qualifizierende Studiengänge sind:

 

Medizintechnik
Biomedizinische Technik (Biomedical Engineering)
Mediziningenieurwesen
Medizinische Biotechnologie
Gesundheitselektronik
Medical Systems Engineering
Medizininformatik und medizinisch-technische Informatik


Aber auch der Quereinstieg über ein technisches oder naturwissenschaftliches Studium ist möglich, wenn es etwa mit einem Master in Medizintechnik kombiniert wird. So kann man sich beispielsweise auch mit einem Abschluss in Studiengängen wie Maschinenbau, Mechatronik, Automatisierungs- und Elektrotechnik oder Biotechnologie sowie Mathematik, Biologie, Chemie oder Physik an vielen Hochschulen zu Ingenieuren und Ingenieurinnen für Medizintechnik weiterbilden.

 

Als Absolvent:in der Medizintechnik steigt man häufig auf Junior-Positionen in den Job ein. Durch einschlägige Praktika, Fortbildungen oder Forschungsarbeit sowie praktische Berufserfahrung kommt ein:e Medizin-Ingenieur:in schließlich auch für Führungspositionen, etwa als leitende:r Projektingenieur:in für Medizintechnik, infrage.

Kenntnisse und Fähigkeiten 

Die Medizintechnik ist ein vielseitiges Berufsfeld, das ein breites Spektrum an fachlichen Kompetenzen und Fähigkeiten erfordert, wie zum Beispiel:

 

Kenntnisse und Ideen in der Entwicklung und Prüfung medizintechnischer Geräte und Verfahren sowie das dafür nötige technische Verständnis und handwerkliche Geschick
Verständnis für den Aufbau des menschlichen Körpers und ggf. bestimmte Krankheitsprozesse
Wissen im Hinblick auf relevante (sicherheitstechnische) Anforderungen und Richtlinien
IT- und Software-Kenntnisse (etwa CAD-Systeme zur Konstruktion)
numerisches bzw. rechnerisches Denken (etwa um Kosten zu kalkulieren)
Figürliches bzw. räumliches Denken (beispielsweise zur Anfertigung von Konstruktionsplänen)
Fähigkeit zur Planung und Organisation (etwa bei der Durchführung von Projekten)
Interesse an theoretisch-abstrakten sowie prüfenden Tätigkeiten (zum Beispiel zum Analysieren von Messwerten oder zur Pflege von Datenbanken)
englische Sprachkenntnisse in Wort und Schrift

Über welche Soft Skills sollten Medizin-Ingenieur:innen verfügen? 

Neben den genannten fachlichen Kompetenzen sind in diesem anspruchsvollen und zukunftsträchtigen Berufsfeld auch die Soft Skills nicht zu vernachlässigen. Hier einige Schlüsselqualifikationen, die in diesem Job zum Erfolg führen:

 

Kommunikations- und Dialogfähigkeit: Ingenieur:innen der Medizintechnik stehen im ständigen Austausch mit anderen Fachgruppen und Teammitgliedern. Personen in dieser Rolle ermitteln zum Beispiel im Dialog mit medizinischen Fachkräften die Anforderungen an künftige Geräte und Verfahren. Auf Schulungen und im Vertrieb müssen sie die Funktionsweise der Produkte verständlich erklären können.
Team- und Konfliktfähigkeit: In der Medizintechnik arbeiten Ingenieur:innen in der Regel in interdisziplinären Teams mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen. Um etwa in der Entwicklung eines neuen medizintechnischen Produktes bestmögliche Ergebnisse zu erreichen, ist es wichtig, die eigenen Kompetenzen und konstruktive (Lösungs-)Vorschläge ins Team einzubringen.
Organisatorische und Zeitmanagement-Fähigkeiten: Gerade bei der Entwicklung neuer Produkte ist die Koordination einzelner Prozesse wichtig, um beispielsweise zeitliche und finanzielle Rahmenbedingungen einzuhalten oder die Kompetenzen im Team effizient zu nutzen und Aufgaben sinnvoll zu verteilen.
Flexibilität und Problemlösungsfähigkeiten: In den meisten Projekten läuft nicht immer alles nach Plan. So können sich etwa bereits ausgearbeitete Pläne als Fehlkonstruktion herausstellen. Als Medizintechnik-Ingenieur:in ist dann ein schnelles Umdenken erforderlich.
Innovationsdrang und Willen zur Weiterbildung: In der Medizintechnik steht der Fortschritt an erster Stelle. Es ist von der Innovationsstärke der Mitarbeitenden abhängig, wie schnell sich zum Beispiel Diagnoseverfahren oder Operationsinstrumente weiterentwickeln. Um neue Ideen zu kreieren, ist es demnach auch unerlässlich, stets auf dem neusten Stand zu sein.
Strukturierte und sorgfältige Arbeitsweise: Die Qualitäts- und Sicherheitsstandards in der Medizintechnik sind hoch. Um diesen gerecht zu werden, muss man als Ingenieur:in für Medizintechnik bei der täglichen Arbeit besondere Sorgfalt walten lassen, um Fehler zu vermeiden. Eine strukturierte Arbeitsweise ist unter anderem für die Einhaltung von Fristen und Vorschriften von Vorteil.